Christophsbad Göppingen, 16.05.2012
URL: http://www.christophsbad.de/Druck/Psychiatrie_Musiktherapie.html

Klinik für Psychiatrie u. Psychotherapie


Musiktherapie im Christophsbad

Musiktherapie ist eine Form von Psychotherapie. Der gezielte Einsatz von Musik dient im Rahmen einer therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der seelischen, körperlichen und geistigen Gesundheit. Schon zu Urzeiten war Musik in einen ganzheitlichen Zusammenhang von Behandlung, Ritual und gesellschaftlichem Leben eingebettet. Die Entfaltung ihrer Heilkraft durch ihr bewusstes Hören und aktives Musizieren ist in allen Kulturen beschrieben.

Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. Als eigenständiges Berufsbild entstand Musiktherapie in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Heutzutage ist Musiktherapie als klinische Behandlungsmethode erprobt und etabliert. Private und staatliche Ausbildungsinstitutionen befähigen zur Ausübung des Berufs. Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten arbeiten in stationären und ambulanten Einrichtungen der medizinischen und psychosozialen Versorgung und in freier Praxis. Das sind z.B. Psychiatrische, Psychosomatische und Psychotherapeutische, Organmedizinische Kliniken (z.B. Onkologie, Neurologie), sonderpädagogische-, heilpädagogische-, und Senioreneinrichtungen, Zentren für Prävention und Selbsterfahrung. 
 
 
Musiktherapie in der Praxis

In der Musiktherapie wird gesungen, getanzt, Musik gehört, gemeinschaftlich auf Instrumenten musiziert und das Geschehen im Gespräch reflektiert. Zu diesem Zweck stehen den Teilnehmern der Einzel- oder Gruppenmusiktherapie eine Vielzahl von Instrumenten zur Verfügung, die relativ leicht zu spielen sind. Ziel ist es nicht, ein Instrument oder gar Noten zu erlernen, sondern dem Seelischen mit Hilfe spontan entstehender Musik zum Ausdruck zu verhelfen. Manchen Menschen fällt der musikalische Ausdruck sogar leichter als das Sprechen. Musik kann dabei einen Raum eröffnen, in dem inneren Vorgängen besonders intensiv nachgespürt werden kann. So tauchen beim Umgang mit Musik häufig Erinnerungen auf, Bilder erscheinen vor dem geistigen Auge, Gefühle werden bewusster wahrgenommen und körperlichen Reaktionen nachgespürt. In der Regel tauchen in der Musiktherapie Themen aus dem Alltag auf, die auf verschiedene Weise bearbeitet werden können. So gibt es die Möglichkeit des Probehandeln mit Musikinstrumenten. So kann z.B. das Setzen von Grenzen geübt, ein unverbindlicher Ausbruch aus der Depression gewagt oder die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen geübt werden.
 
 
Unsere Musiktherapeuten

Wolfgang Bossinger, Diplom-Musiktherapeut (FH)

Wolfgang Bossinger arbeitet seit 1988 als Musiktherapeut im Christophsbad. Er studierte von 1982 bis 1987 Musiktherapie in Heidelberg und bildete sich in verschiedenen psychotherapeutischen Ansätzen (Hypnotherapie, Systemische Familientherapie) weiter. In den letzten Jahren beschäftigt sich W. Bossinger schwerpunktmäßig mit Stimme, Gesang und Tanz und engagierte sich für das Chorprojekt "Sing to be happy" am Christophsbad. Er ist zuständig für die Stationen der Psychiatrie und Gerontopsychiatrie (PSY 1, PSY 2 und GPS 2).

Aktuelle Veröffentlichung: Wolfgang Bossinger "Die heilende Kraft des Singens", 2. überarbeitete Neuauflage, Traumzeit-Verlag, 2006, ISBN: 3-933825-61-X. Weitere Informationen zu Singen und Gesundheit, sowie zu Forschung und Publikationen unter http://www.healingsongs.de/


Dorit Schradi, Diplom-Musiktherapeutin (FH) 
Dorit Schradi studierte von 1997 bis 2001 Musiktherapie an der Fachhochschule Heidelberg und bildete sich in Körper-Klang- und Rhythmusarbeit fort. Seit Februar 2006 arbeitet sie im Christophsbad in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Ihr bisheriges Arbeitsfeld umfasste Musiktherapie mit Erwachsenen in der Psychosomatik und im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich.

Dorit Schradi ist derzeit für die Depressionstation (PSY 4), für die beiden Psychiatrischen Tageskliniken in Göppingen und Geislingen sowie für den Heimbereich zuständig. Des Weiteren ist sie leitende Redakteurin der "Seelenpresse", Zeitschrift für Psychiatrie, Kunst und Literatur.
  
 
Simone Wagner, Musiktherapeutin (BC)



Simone Wagner
studierte von 1999 bis 2003 Creative Therapie Musik an der Hogeschool Zuyd (NL). Sie arbeitet seit April 2006 im Christophsbad. Frau Wagner nimmt regelmäßig an Fortbildungen im Bereich Stimme, bzw. Bewegung und Stimme teil.

Simone Wagner ist zuständig für die Stationen Psychiatrie (PSY1, 2, 3 und PSY 5 ) und Gerontopsychiatrie (GPS 1 und GPS 3) sowie für die Singgruppe "Heilsames Singen".






 


 
Beispiele aus der Musiktherapie  

Musiktherapie mit Holger Kröhnert

Your life is your life (mp3-Datei)

Holger Kröhnert kam in seiner Berliner Jugendzeit zu seiner ersten Gitarre indem er sie bei einem Engländer und Mitbewohner gegen einen Fischerbaukasten eintauschte.
In der folgenden Zeit lernte er von Freunden und brachte sich autodidaktisch das Gitarre- und Bluesharpspielen bei. Es folgten Bandprojekte und Auftritte bei Jugendveranstaltungen und Feiern. Holger Kröhnert erlitt ab seinem 19. Lebensjahr immer wieder schwere psychische Krisen. Mit 22 Jahren zog er in den Göppinger Raum und schlug sich zeitenweise mit Straßenmusik durch.
Immer wieder waren Klinikaufenthalte im Christophsbad nötig und schließlich folgte eine Aufnahme ins Christophsheim. Seit 2005 nimmt Herr Kröhnert regelmäßig an der Musiktherapie teil. In dieser Zeit entstanden viele neue Musikstücke und eine CD, die zum größten Teil Eigenkompositionen enthält.
"Die Musiktherapie hilft mir dabei, meine Gefühle auszudrücken und die Unzufriedenheit zu überwinden, die entsteht, wenn ich nicht Musik machen kann" erläutert Herr Kröhnert.

Interessenten an der CD können sich unter holgerkroehnert@gmx.de melden.

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