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Akuter Schlaganfall: Behandlung auch noch jenseits der 6-Stunden-Grenze möglich


Einen Tiefschlag besonderer Art erhielt Frau Heidi F., die am Tag vor Weihnachten einen akuten Schlaganfall mit einer linksseitigen Lähmung erlitten hatte. Der Schlaganfall war schon nachts passiert. In der Gefäßdarstellung zeigte sich ein Verschluss der mittleren Hirnarterie auf der rechten Seite. Die Patientin wurde zur Entfernung des Blutgerinnsels aus einem anderen Landkreis ins Klinikum Christophsbad gebracht. Bis dahin waren schon 9 Stunden nach dem Schlaganfall vergangen. Auf den Bildern zeigte sich, dass ein großer Anteil des gefährdeten Hirngewebes wahrscheinlich noch zu retten sein könnte. Er wurde unverzüglich eine sogenannte Thrombektomie (Entfernung des Blutgerinnsels mit dem Katheter aus der betroffenen Arterie im Gehirn) durchgeführt. Glücklicherweise konnte die Patientin ohne weitere Folgeschäden nach wenigen Tagen entlassen werden - Ein Weihnachtsgeschenk besonderer Art.

Die moderne Bildgebung ermöglicht es heute, zwischen definitiv geschädigtem und noch rettbarem Gewebe zu unterscheiden. Diese spezielle Bildgebung wird im Klinikum Christophsbad bereits seit 7 Jahren durchgeführt. "Neue Studien haben jetzt gezeigt, dass eine Behandlung solcher Patienten, bei denen das betroffene Hirngewebe noch nicht abgestorben ist, jedenfalls in Einzelfällen auch noch bis zu 24 h möglich ist", so Prof. Dr. Norbert Sommer Chefarzt der Neurologie im Klinikum Christophsbad. Eine der dazu veröffentlichten Studien ist die sogenannte DAWN-Studie (Clinical Mismatch in the Triage of Wake Up and Late Presenting Strokes Undergoing Neurointervention With Trevo). Die Studie, ursprünglich mit 500 Teilnehmern geplant, wurde wegen eindeutig positiver Ergebnisse nach 206 Patienten abgebrochen. Die Patienten wurden im Median 13 Stunden, nachdem sie zuletzt gesund gesehen worden waren, behandelt. Die Rekanalisierungsrate betrug 84 Prozent (Wiederherstellung der Durchblutung des Gefäßes). 48,6 Prozent der Thrombektomiepatienten wiesen allenfalls geringe bleibende Ausfälle auf. Während dies bei der konservativ behandelten Gruppe nur 13,1 Prozent waren. Dies entspricht einer absoluten Differenz von 35,5 Prozent und einer relativen Risikoreduktion von 73 Prozent. "Daher sollten alle Schlaganfallpatienten, auch nach Ablauf der 6-Stunden-Frist, unbedingt in ein spezialisiertes Zentrum gebracht werden, um diese Chance, nicht zu vergeben", so Prof. Dr. Bernd Tomandl, Thrombektomieexperte und Chefarzt der Neuroradiologie am Klinikum Christophsbad.

Natürlich geht es nicht nur um den akuten Eingriff, der zukünftige schwere Behinderungen in vielen Fällen vermeiden kann. Auch die Nachbehandlung ist wichtig. Hierzu gehört die intensive Betreuung durch spezialisierte Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, die Vermeidung von Lungenentzündungen durch die logopädische Aufdeckung von Schluckstörungen sowie die Ermittlung der Ursache des Schlaganfalls durch Neurologen und Internisten. Am Klinikum Christophsbad sind sämtliche Fachgebiete vertreten die für die Schlaganfall-Behandlung und Nachsorge erforderlich sind. Somit ist eine Versorgung auf höchstem Niveau möglich, wie sie sonst nur an Kliniken der Maximalversorgung und Universitätskliniken vorhanden ist. Für die Sekundärbehandlung sind manchmal wie in allen medizinischen Fachgebieten auch Verlegungen erforderlich. So besteht eine hervorragende Zusammenarbeit mit Dr. Richter, dem Chefarzt für Gefäßchirurgie an der Klinik am Eichert.


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