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Fachabteilung über Indikationen

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Durch die stationäre Therapie entsteht ein Schwerpunkt auf modernen psychodynamischen Verfahren, die psychoanalytisches Wissen nutzbar machen und störungsspezifisch erweitern. Dieses ist für die erfolgreiche Therapie von sogenannten schweren Störungen (vor allem Persönlichkeitsstörungen), deren psychotherapeutische Behandlung noch vor einigen Jahren mit viel Skepsis betrachtet wurde, von enormer Bedeutung.

Zu nennen wären hier verschiedene einzel- und gruppentherapeutischen Verfahren:

  • das „Göttinger Modell“ der Gruppentherapie (Heigl, Heigl-Evers, König), die damit eng verbundene psychoanalytisch-interaktionelle Therapie (Streeck, Leichsenring)
  • die Mentalization Based Treatment (MBT*) zur Behandlung von sogenannten Borderline-PatientInnen (Fonagy, Bateman; Bolm, Schultz-Venrath)
  • die Strukturbezogene Psychotherapie (Rudolf)
  • die Control-Mastery-Theorie (Weiss)
  • Traumatherapie (Reddemann)

Ein wichtiger Bezugspunkt für die Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung ist das Verfahren der „Operationalisierten psychodynamischen Diagnostik“ (OPD2)

Diese „klinische“ psychodynamische Tradition scheut sich nicht, Erfolge „konkurrierender“ Therapieschulen anzuerkennen und Elemente anderer Behandlungsansätze in den tiefenpsychologischen Ansatz zu integrieren bzw. die psychodynamische Therapie als Teil eines stationären Gesamtbehandlungsplans durchzuführen, der sowohl systemische und verhaltenstherapeutische Elemente enthält, sowie die Möglichkeiten von Pflege, Körper- und Kreativtherapien sowie der Sozialarbeit nutzt.

Orientierung bleibt dabei das psychodynamische Verständnis der Funktionsweise und der Struktur der menschlichen Psyche und vor allem der damit einher gehenden intrapsychischen und interpersonellen Konflikte.
Bezugspunkt(rahmen) ist die Betrachtung der Beziehungsgestaltung der Individuen zu Anderen (interaktionelle Betrachtung) und zu sich selbst in ihrer gegenseitigen Bezogenheit (intersubjektive Betrachtung).
Zentrale Begriffe sind Ich, Es, Über-Ich und Selbst, sowie im Bereich der Therapie und des therapeutischen Prozesses die Begriffe Widerstand und Abwehr, Übertragung und Gegenübertragung.

Die inhaltliche Linie beginnt mit Sigmund Freud, geht weiter mit A. Freud, zieht sich durch die sogenannte Middle-Group der britischen Objektbeziehungstheorie (Winnicott, Balint, Fairbairn) über Kernberg bis hin zu den oben erwähnten Therapieformen.

Eine weitere wichtige theoretische Quelle sind neuere Erkenntnisse der Säuglingsforschung (Stern, Dornes) mit den Wurzeln bei Winnicott, Mahler und darüber hinaus insbesondere die Bindungstheorie (Bowlby, Ainsworth, Großmann, Brisch).

Gruppentherapeutisch liegen die Wurzeln näher bei Foulkes als bei Bion. Grundlegend ist nach wie vor Yalom. Prägend ist das oben genannte „Göttinger Modell“.


* Im Deutschen fast durchgängig mit Mentalisierungsbasierter Therapie übersetzt

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