Sportpsychiatrische Sprechstunde

Team der Sportpsychatrie auf dem Volleyballplatz

Einerseits tut gezielte Bewegung und körperliches Training der Psyche gut. Andererseits können Leistungsdruck und hohe Anforderungen im Sport auch krankmachen. Die Spezialisten der Sportpsychiatrie und Sportpsychotherapie im Christophsbad nutzen ihr Wissen zur Prävention, Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen.

Sportpsychiatrie und Sportpsychotherapie

Die Sportpsychiatrie und -psychotherapie als eigenes Spezialgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie ist noch relativ jung. Hierunter werden zwei Bereiche zusammengefasst:

  • Behandlung von (Leistungs-)Sportlern mit (teils sportspezifischen) psychischen Erkrankungen
  • Behandlung von psychischen Erkrankungen durch den gezielten Einsatz von Bewegung, körperlichem Training und Sport

Beide Bereiche werden im Christophsbad Göppingen angeboten.

Exercise is Medicine Deutschland e. V.

Bewegung tut Körper und Seele gut. Durch mehr körperlicher Aktivität und Sport lassen sich viele Krankheiten verhindern, eindämmen oder manchmal sogar heilen. Deshalb ist das Christophsbad Mitglied der Gesundheitsinitiative Exercise is Medicine®.

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Sportpsychiatrische Sprechstunde

Spezialsprechstunde „Psychische Erkrankungen bei Sportlern“

Aufgrund der hohen physischen und psychischen Anforderungen im (Leistungs-)Sport sowie dem damit verbundenen Druck, Leistungsdefizite zu verhindern oder zu ignorieren, stellen Sportler eine häufig übersehene Gruppe im Hinblick auf psychische Störungen und Erkrankungen dar.

Häufig auch bei Sportlern auftretende psychische Störungsbilder sind zum Beispiel

  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Zwangsstörungen
  • Essstörungen
  • chronifizierte Schmerzstörungen
  • Abhängigkeitserkrankungen

Einige Störungsbilder treten ausschließlich oder in besonderer Ausprägung bei Sportlern auf, so zum Beispiel

  • die Anorexia athletica
  • die Athletinnen-Triade (Energiedefizit, menstruelle Dysfunktion, Knochenfunktionsstörung)
  • ein chronifiziertes Übertrainingssyndrom (mit Überlappungen zu depressiven Erkrankungen)
  • Sportsucht (mit und ohne Essstörung)
  • spezifische sportbezogene Angststörungen
  • die chronische traumatische Enzephalopathie (nach Schädelhirnverletzungen)

Sportler erhalten häufig erst verzögert eine notwendige spezifische psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung, weil sich psychische Symptome bei ihnen oft zunächst körperlich äußern. Häufig interpretieren sie Schmerzen, Erschöpfung und Kraftlosigkeit, Schlafstörungen oder verlängerten Erholungsbedarf zunächst als Trainingsreiz. Zudem sind solche Symptome in einem leistungsorientierten Umfeld mit Scham besetzt und werden verdrängt.

„Auch mental starke Sportler können psychisch erkranken!“

Im diagnostischen Prozess ist es wichtig, die einzelnen Elemente der Krankheitsentstehung zu analysieren (Vererbungsfaktoren, sportspezifische Aspekte, Berücksichtigung der privaten Lebenssituation) und gegebenenfalls zu modifizieren.

Insbesondere ist es essenziell, die speziellen (leistungs-)sportlichen Aspekte der Patienten sowie bei Wunsch des Sportlers wichtige Bezugspersonen miteinzubeziehen, da häufig das Aufrechterhalten der sportlichen Ziele ein zentrales Thema darstellt. Das Bewusstsein für die durch Leistungssport möglichen seelischen Belastungen ist im Umfeld der Sportler meist noch immer nicht ausreichend verbreitet.

Mehrer Personen machen Dehnübungen mit Walking-Stöcken in der Hand.

An wen richtet sich das Angebot?

Unser Angebot richtet sich an aktive sowie ehemalige Leistungssportler ab 18 Jahren, ebenso an deren Angehörige und sportliche Betreuer. Wir bieten eine spezialisierte und von den Sportvereinen und -verbänden unabhängige sportpsychiatrische und sportpsychotherapeutische Anlaufstelle zur Beratung sowie evidenzbasierten Diagnostik und Therapie von sportassoziierten psychischen Erkrankungen an.

Das Angebot umfasst unter anderem

  • Ausführliche störungsfokussierte Anamnese
  • Evaluation der sportspezifischen Belastungen und Ressourcen
  • Psychotherapeutische und gegebenenfalls pharmakologische Behandlung (auch unter Berücksichtigung der Antidopingbestimmungen der NADA)
  • Gutachten im Zusammenhang mit Ausnahmegenehmigungen (TUEs) im Falle eines notwendigen Einsatzes von Psychopharmaka
  • Umfassende neuropsychologische Testung (zum Beispiel präventiv oder nach Schädelhirntraumata)
  • Gegebenenfalls Zusammenarbeit mit somatischen Kollegen wie Sportmedizinern, Orthopäden, Internisten

Im Behandlungsteam besteht eine langjährige Expertise im Bereich der Sportpsychiatrie und Sportpsychotherapie.

Die Sprechstunde ist Teil des Netzwerks der Zentren für seelische Gesundheit im Sport der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Wie erfolgt die Anmeldung?

Die Anmeldung ist telefonisch über unsere Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) oder direkt an die Sportpsychiatrie per E-Mail möglich.

Der Erstkontakt kann auf Wunsch auch anonym erfolgen.

Sportpsychatrie
E-Mail: sportpsychiatrie@christophsbad.de

Psychiatrische Institutsambulanz Göppingen
Sekretariat
Tel.: +49 (0) 7161 601-9234
Fax: +49 (0) 7161 601-9205
E-Mail: pia@christophsbad.de

Erreichbarkeit: Mo. – Fr. 09:00 – 16:00 Uhr

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Körperliches Training bei psychischen Erkrankungen

Bewegung und körperliches Training werden oft noch unzureichend in der Vorbeugung und Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt. Die Interventionen bieten jedoch ein großes Potenzial, zusammen mit Pharmakotherapie, Psychotherapie und anderen biologischen Verfahren psychische Störungen zu therapieren. Körperliches Training hat auch Einzug in verschiedene Behandlungsleitlinien gehalten.

Die Wirksamkeit wurde unter anderem für Depressionen, Angststörungen, Psychosen, Suchterkrankungen und demenzielle Entwicklungen nachgewiesen.

Dabei spielen sowohl neurobiologische Prozesse (Ausschüttung von Botenstoffen und Nervenwachstumsfaktoren, Beeinflussung von Entzündungsprozessen und Nervenzellerhalt) als auch psychische Prozesse (Aktivierung, Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstwert) eine Rolle.

Wir sind daher bemüht, diese Therapieoptionen in den Behandlungsprozess aufzunehmen und weiterzuentwickeln.

Zu den Maßnahmen gehören:

  • Erhebung des Bewegungsstatus bei Aufnahme
  • Aufklärung über die Wirksamkeit von Bewegung und körperlichem Training
  • Individuell angepasste Bewegungsempfehlung
  • Verordnung als Rezept für Bewegung
  • Weiterempfehlung für die Zeit nach Entlassung (zum Beispiel Verordnung von Rehasport)

Das Christophsbad Göppingen ist institutionelles Mitglied der Initiative „Exercise is medicine® Deutschland“.

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