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22.01.2021

SICH ER GEHEN

Das Gleichgewicht nicht verlieren.


GANGBILD
BIPEDIE
AN DIE DECKE GEHEN

Redewendungen. Wie geht es Dir? Allerweltsfrage, Höflichkeitsfloskel, Anteilnahme. Es geht so! Alltagssprache. Total abgestürzt, völlig am Boden, tief gefallen.Das Deutsche ist voller Sprachbilder, die unsere Fähigkeit des Aufrechten Stehens und Gehens und den Verlust dieser Eigenschaft temporär und dauerhaft umschreiben. Wer möchte schon für immer "zum Liegen" kommen oder als "gestrauchelte Persönlichkeit gelten? Das Stehen und Gehen ist eines der ersten Dinge, die ein Kleinkind erlernen möchte und eine der letzten Fähigkeiten, die ein alter Mensch missen möchte. Die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, ist eng an das Stehen und Gehen gekoppelt. Wer gehend in ein Pflegeheim einzieht, kommt schnell zum Sitzen. Im Rollstuhl ist man sicherer, könnte man meinen. Es sei denn, das Pflegeheim schafft es, die Bewohner mit Gangunsicherheit zu trainieren und ihnen so einen wesentlichen Teil ihrer Autonomie zu belassen. Wunschdenken, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Vorgestern ging eine Frau mittleren Alters vor mir im Klinikgelände in Richtung einer heiklen Treppe. Sie übersah den tückischen Absatz kurz davor und strauchelte, "ging zu Boden".Ich half ihr wieder auf die Füße, nichts passiert, noch einmal "gut gegangen".

Zur Zeit herrscht Winterwetter. Schnee, Frost, Glatteis, überfrorene Nässe usw.. Keine idealen Bedingungen für meine angebotenen Therapeutischen Wanderungen. Als Wanderführer kann ich noch die Höhenstufe beeinflussen, im Umfeld unserer Klinik habe ich die Auswahl zwischen 250 und 750 Metern über dem Meer. Weiterhin kann ich festlegen, ob wir auf Asphalt, Forst- und Jägerpisten, Wanderwegen laufen, im Wald, über Felder oder in Siedlungsnähe. Zur Zeit ist das ein schwieriges Thema, manche Teilnehmer mit Turnschuhen musste ich in der Klinik lassen, manche Wege waren trotz Wanderschuhen "heikel". Es gilt abzuwegen zwischen Therapie, Infektionsschutz und Sicherheit.

Vor Tagen passierte es mir privat bei einer Wanderung: Unter der dünnen Schneedecke spiegelglatter Untergrund. Ich war kurz unaufmerksam und "küsste den Boden". Ärgerlich, auch wenn nichts passiert ist. Werde ich jetzt ängstlich?

Die Wissenschaft berichtet zur Zeit Erstaunliches zum Thema GEHEN und STEHEN. Die Fähigkeit dazu scheint weltweit bei uns Menschen abzunehmen, insbesondere in den modernen Industriestaaten. Verlieren wir unser Gleichgewicht? Es ist eine Folge unseres Lebensstils. Dieser hat sich in kürzester Zeit drastisch verändert. Vor 15 Millionen Jahren begannen Primaten sich mehr und mehr auf die Hinterpfoten zu stellen. Das Aufrichten brachte in dieser Zeit unter bestimmten Bedingungen einen evolutionären Vortei, von dem dann der Vormensch und später Homo Sapiens profitierte. Die Bipedie, Zweibeinigkeit war eine evolutionsbiologische Sternstunde, es bleibt bis heute fast rätselhaft, wie das gelingen konnte.

In meinen Therapeutischen Wandergruppen sehe ich Teilnehmer, die durch Ihre Erkrankung ein eigenartiges, teilweise dysfunktionales Gangbild zeigen. Auch habe ich Mitwanderer, die durch die Schwere ihrer Störung Probleme mit der Abgrenzung, Wahrnehmung und Funktion ihres Körpers haben. Man spürt, wie eng Körper und Geist korrespondieren und rückkoppeln.

Beim Wandern trainieren wir diese Fähigkeit und hoffen auf positive Effekte in beiden Richtungen. Zwei Stunden, acht Kilometer über Stock und Stein.


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